Transparenzbericht

Eine angebrachte und entscheidende Frage, die sich heute bei jedem neu erscheinenden Buch ganz rational stellen sollte, ist:

Es ist tatsächlich eine mehr als berechtigte Frage, auf deren Beantwortung Sie definitiv ein Anrecht haben: 

Die Antworten von ChatGPT & Co. sind mehr als verblüffend, gerade für eine künstliche Maschine, die bis jetzt nicht versteht, was sie eigentlich produziert. Für Blogartikel (bedingt), Produktbeschreibungen, Supportanfragen und sehr viele Dinge mehr ist bereits jetzt eine Qualität erreicht, die mehr als zufriedenstellt. Für Blogartikel ‚bedingt‘, weil ohne persönliche Note, also KI pur, brauchen Sie nicht versuchen bei Google sinnvolle Positionen zu erreichen. 

Aus Sicht eines Autors, der versucht ein komplexes Buch zu schreiben, geht es hier wesentlich tiefer. Für ein erfolgreiches Buch ist Qualität, um Außergewöhnliches oder noch nie Dagewesenes zu produzieren, entscheidend. Ich kenne die Ausgaben nahezu aller aktuellen LLM’s und die Qualität ist bei kreativen Maßstäben vielfach unterhalb des brauchbaren Niveaus für alles, was länger als 700 Wörter ist.

Ich schätze stark, dass es nicht lange dauert, bis sich der KI-Müll auf Amazon so wenig verkauft, dass sich die Produktion gar nicht lohnt. Es fehlt massiv an Kreativität, vieles klingt technisiert und ohne inhaltliche Tiefe. Ohne massive Eingriff ist es nahezu unmöglich so etwas Komplexes wie ein Buch zu schaffen (das kann sich jederzeit ändern). Einen gewissen Anspruch vorausgesetzt.

Wie man auf meinen Websites und in einigen Blogartikel, die ich zu diesem Thema geschrieben habe, leicht erkennt: Ich bin ein wenig begeistert von Anwendungen dieser Art. Da ich bereits mit nahezu allen verfügbaren KI-Systemen experimentiert habe, habe ich auch recht wenig Angst, dass mich KI ersetzen würde. Wobei ich hier mir bis jetzt nicht abschließend sicher bin und hier ist unglaublich viel Bewegung im Spiel. Definitiv wird es für viele Menschen Veränderung bedeuten. Jedoch ist der Weg hin zu KI-Anwendungen in jedem Lebensbereich ohne Rückfahrschein und wir werden uns damit arrangieren müssen. So oder so.

Es gibt einige potenzielle Kritikpunkte, die man hier im Fokus haben muss. Wie sich am Ende alles entwickeln wird, ist mehr als unklar und wie bei jeder weitreichenden, neuen Technologie ist der Mensch eine Schwachstelle im System. Was, wenn die Maschine das erfasst? Die größte anzunehmende Angst, die sich mir stellt, ist, dass wir Menschen durch KI »programmierbar« werden, der Mensch als formbares Objekt der Maschine. Im Werkzeugkasten autoritärer Herrschaftssysteme wird eine weitere dystopische Möglichkeit zur Unterdrückung zu finden sein.

Andererseits ist KI im aktuellen Arbeitsprozess ein unglaublich nützliches Werkzeug, das mich persönlich besser und vor allem produktiver macht. Alles, was ich kann, kann ich mit KI besser und schneller. Umgekehrt ist es aber auch so: Kann ich nichts, kann auch die KI das nicht wesentlich retten und Dinge aus dem puren Nichts erschaffen. Mindestens die Fähigkeit Fragen zu stellen, in eine KI taugliche Struktur zu überführen und sich Antworten grob vorstellen zu können, ist hier immanent.

Und JA, in komplexe Large Language Models, die Basis von ChatGPT & Co, sind die geistigen Werke nahezu aller bedeutenden Schriftsteller und Autoren eingeflossen. Es ist zwar dimensional in einer gänzlich anderen Liga, aber am Ende sind die aktuellen KIs doch nur Werkzeuge, perfektioniert mit der Kreativität von Tausenden. Wissen wir heute, wie viele Menschen am Entstehungsprozess einer Schreibmaschine beteiligt waren, bis sie so perfekt war, wie sie heute ist? Liest nicht jeder Autor andere Bücher zur Inspiration und verwendet Teile davon aufbereitet in seinen Werken? Es ist einfach ein weiterer Schritt im Ablauf der Digitalisierung. Erstmalig ist allerdings, dass Kreativität an sich digitalisiert wird.

Die beste Metapher, die mir in diesem Kontext eingefallen ist, ist die eines Navigationssystems. Sprach-KI’s ermöglichen die Navigation durch die multikomplexen Wege der Sprache. Sie zeigen uns kürzeste und optimalste Routen, dabei lassen sie uns aber immer eine Wahl. Genau wie bei einem echten Navigationssystem besteht die gefühlte Gefahr, das ‚Lesen von Karten‘ (aka ’selbst Buch schreiben‘) zu verlernen. Nur, können Sie keine (Papier-)Straßenkarte mehr »bedienen«, nur weil Sie die letzten Jahre ausschließlich mit Navi gefahren sind? Und braucht man nicht grundsätzlich die Fähigkeit, eine Karte zu lesen und Ziele zu beschreiben, auch wenn man mit Navigationssystem fährt?

Kommen wieder zum Buch: JA, KI hat bei diesem Buch mitgeschrieben. Direkt habe ich mir Ideen als Stichpunkte für die 1. Handlungsebene (also, was in den einzelnen Folgen offensichtlich passiert) schreiben lassen. Ich habe mir für einzelne (nicht alle) dieser Folgen Plots schreiben lassen, die ich dann ausformuliert und anschließend die Meta-Ebenen darin eingebaut habe. Die Meta-Ebene (also die Geschichte hinter der Geschichte) an sich hab ich vollkommen selbst kreiert und immer wieder angepasst und verändert, damit sie eben perfekt in die 1. Handlungsebene passt. In mehreren Durchgängen habe ich dann das Buch inhaltlich und sprachlich »in einen Fluss« gebracht und verschiedene Änderungen umgesetzt.

Gerade im Verlauf der Produktion habe ich die Geschichte immer weiter »gesponnen« und an jede Ecke und Kante immer wieder Dinge eingefügt, damit die Gesamtgeschichte auch stimmig und spannend ist. Des Weiteren habe ich Charaktere, Organisationen, Orte und Ähnliches mit lebendigem Inhalt gefüllt. So konnte ich mich auch dank KI uneingeschränkt auf die Geschichte an sich konzentrieren und mir nicht so liegende Fleißaufgaben ersparen.

Ganz zum Schluss, als alles eigentlich fertig war, war ich seltsam enttäuscht, denn ich hatte das Gefühl, es fehlt etwas. Nach endlos langem Experimentieren hatte ich dann einen ultimativen Prompt kreiert, der aus 10 Zeilen 30 machte und das auf spektakuläre Art und Weise. Einige ausgewählte Abschnitte im Buch habe ich durch diesen Prompt sinnvoll & fantastisch erweitert.

»Das bionische Gehirn, was ich dank KI nutzen konnte, hat mich schneller und an einigen Stellen auch tatsächlich besser gemacht.«

Tom Scharlock, 08/2023

Die Idee eines wie auch immer gearteten »schwarz-weiß Problems« und die Erforschung der Tatsachen, trage ich übrigens so und ähnlich seit geraumer Zeit mit mir herum.

Der letzte Abschnitt (»Interpretation«) ist mir persönlich sehr wichtig und deshalb habe ich diesen auch weitgehend selbst geschrieben. Hier habe ich mir aber z. B. historische Fakten, Aufzählungen etc. schreiben lassen, ich wusste natürlich grob in welche Richtung ich die KI lenken musste. Dinge, die sowieso da sind, muss heute keiner mehr zum 1000sten Mal neu schreiben. Zum Glück.

Dem folgend sind die »sachlichen Ratgeber« zu einem überwiegendem Anteil von KI erstellt. Da diese lediglich eine Ergänzung zum Inhalt sind, sollte das nicht weiter problematisch sein. Ich hoffe, sie sind trotzdem in der gebündelten Gesamtheit und Übersichtlichkeit ein wenig nützlich. Auch hier musste ich von Hand eingreifen, damit das Ganze einigermaßen stimmig ist.

Die kurzen Versionen wiederum hatte zwar ursprünglich die KI geschrieben und eigentlich ist »to summarize« eine Paradedisziplin von KI-Anwendungen, nur hat das Ergebnis in den allermeisten Fällen nicht meinen Erwartungen entsprochen. Mir war es wichtig, dass die Spannung auch in den kurzen Abschnitten bestmöglich erhalten bleibt und es eben keine bloße Aufzählung von Eckpunkten ist. Ich weiß nicht, ob mir das vollständig gelungen ist, aber auch Leser der kurzen Version sollen auf ihre Kosten kommen.

Wie man es auch dreht und wendet, ICH & KI, das lässt sich in diesem Buch weder trennen noch unterscheiden. Ich habe »Mein Buch« unzählige Male von vorn bis hinten gelesen und jedes Mal stellenweise Dinge geändert und eingefügt.

Möglicherweise beginnt 2023 eine neue Literaturepoche. »Digitalismus« als Gesellschaftsutopie ist bereits geträumt und dieses neue Werkzeug wird es sehr viel mehr Menschen ermöglichen, kreativ Bücher zu schreiben und fantastische Welten zu erschaffen. In gewisser Weise demokratisiert es die Möglichkeit ein Buch zu schreiben und ich hoffe sehr, dass digitaler Müll von selbst im Papierkorb landet.

Insgesamt bin ich ein absoluter Freund von Transparenz und Ehrlichkeit, auf keinen Fall schmücke ich mich mit fremder Feder und so hoffe ich, mit diesem Transparenzbericht meine gefühlte Schuldigkeit Ihnen gegenüber getan zu haben.

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Das Zitat xx stammt von der Band „Rammstein“ und da es perfekt in diese Folge und den Kontext passt, konnte ich nicht widerstehen, es einzubauen. Leider kann ich an dieser Stelle nicht den Autor des Zitats nennen, da sonst der Kontext eben nicht mehr passen würde. Ich hoffe, das ist trotzdem okay so, liebe Band.