IT-Bucch Schwarz-Weiss Real?! Header

Schwarz-weiß Verschwörung ::Real!?

Der Inhalt dieses Buches ist ohne Wenn und Aber reine Fiktion. Die Konstruktion eines ausschließlichen »schwarz-weiß Denkens« und einer dadurch existierenden Ideologie ist ebenso simplifizierend wie absichtlich zugespitzt. Bei Meinungsbildung spielen viele weitere Aspekte eine Rolle. Leider ist aber oft für viele unklar, was z. B. »Pluralismus« überhaupt bedeutet und inflationäre verwendete Begriffe („Populismus“) sind in Diskussionen als Kampfbegriffe negativ konnotiert. Von »schwarz-weiß Denken« an sich gibt es meist nur eine grobe Vorstellung. Einfluss und Bedeutung werden wesentlich schwächer wahrgenommen als real vorhanden. Im Buch spielt die »schwarz-weiß Ideologie« tatsächlich nur als Erzählstrang eine Rolle, um überhaupt eine »schöne Verschwörung« zu kreieren. Der einzige Grund dafür ist, Fragen entstehen zu lassen.

»Damit kein Leser mit einem festhängenden Fragezeichen leben muss, hier meine Interpretation mit faktischer Basis«

In vielen Ländern greifen in den vergangenen Jahren verstärkt Bewegungen und Politiker um sich, die mit vereinfachenden schwarz-weiß Mustern spalten, lügen, manipulieren und, wahrscheinlich auch deshalb, sehr erfolgreich sind. Erstaunlicherweise werden simplifizierte Einstellungsmuster mit Techniken und Methoden modernster Art verbreitet und mit diesen Methoden werden offensichtlich Einstellungen verändert oder vorhandene Meinungen zu Extremen radikalisiert. Die unbedingt zu beantwortenden Fragen, die sich hier stellen, sind:

  • Warum passiert nahezu gänzlich synchron in sehr vielen Ländern politisch das Gleiche?
  • Ist das ein normaler Vorgang oder gibt es ein gemeinsames Momentum, was dafür ursächlich sein könnte?

Erstaunlich ist auch, dass die Wahl von Vertretern mit vorwiegend schwarz-weißen Einstellungsmustern objektiv gesehen vielfach im gegenteiligen Interesse der wählenden Personengruppe ist. Es wird völlig ad absurdum das gewählt, was am meisten schaden würde. Ich werde im Folgenden zeigen, dass aktuell keiner die Klaviatur modernster Informationstechniken so gut spielt, wie die Verbreiter schwarz-weißer Narrative. Ich werde auch detailliert Beispiele zeigen, gleiche Muster darlegen und den Versuch wagen eine von vielen Erklärungen zu finden, warum sich in einer immer komplexer werdenden Welt anachronistisch schwarz-weiß Denken, so exponentiell verbreitet und erfolgreich ist.

Weitere Fragen, die sich mir dabei immer wieder stellen:

  • Gab das in dieser Dimension schon mal?
  • Ist die Verschwörung real?
  • Passt es einfach zum Zeitgeist?
  • Gibt es Defizite in der Demokratie?
  • Gibt es einen Zusammenhang mit der binär-codierten Grundlage unserer informationstechnischen Gesellschaft?

Lesen Sie im Folgenden meinen Erklärungsansatz aus einer etwas anderen Perspektive.

Die beschriebene Problematik ist -wie vieles im Leben- äußerst vielschichtig und es gibt mehrere plausible Erklärungen, die parallel wichtig und berechtigt sind. Ich lade jeden ein, mit mir in einen faktenbasierten, argumentativen Diskurs zu treten, der das Ziel hat, die hier aufgestellten Fragen zu beantworten und Lösungen zu finden. Ohne jeden Zweifel wird die Welt nicht besser werden, wenn in vielen Ländern nationalistische, rassistische und großteils schwarz-weiß geprägte Politiker an der Macht sind und somit Politik auf strukturell vereinfachten Narrativen basiert. Es ist unbedingt notwendig, an dieser Stelle weiterzuforschen, Thesen aufzustellen, wieder zu verwerfen und von vorn zu beginnen. Die notwendige Grundlage für jede Veränderung ist in erster Linie umfassendes Verständnis.

Bertolt Brecht

Um die Problematik weiter zu ergründen, empfehle ich folgende Bücher: »Demokratiedämmerung« von Veith Selk »Schwarz.Weiß.Denken!« von Kevin Dutton und Ursula Pesch. Aus philosophischer Perspektive ist die Beschäftigung mit »Dualismus« zielführend.

»Schwarz-Weiß Denken und Handeln sowie die Kritik daran, sind übrigens im Grundsatz unpolitisch.«

Dass hier mindestens aktuell eine politische Richtung übermäßig präsent ist, scheint in der Natur der Dinge zu liegen. Die im Folgenden aufgeführten Beispiele zeigen, dass sich weltweit das gleiche Muster durchsetzt und vereinfachendes Freund-Feind-Denken gezielt zur Spaltung der Gesellschaften eingesetzt wird – mit sehr beunruhigenden Folgen.

Ein verbreitetes Denken in schwarz-weiß Kategorien sorgt dafür, dass in der Gesellschaft die Gräben zwischen den Meinungen immer tiefer werden und sich an diesen Menschen sukzessive feindlicher gegenüberstehen. Die eigene gewählte Farbe, schwarz oder weiß, wird zur alles bestimmenden Identität. Da sich die Linien vielfach durch den Freundes- und Bekanntenkreis ziehen, müssen wir Weg finden, mit dieser Situation umzugehen, ohne dadurch allzu viele Menschen zu verlieren.

Schwarz-weiß Denken, auch als Dichotomisches Denken oder All-or-nothing-Denken bekannt, ist eine Art kognitiver Verzerrung, bei der etwas als entweder alles gut oder alles schlecht wahrgenommen wird, mit wenig oder gar keiner Grauzone in der Mitte.

Eine Person, die auf diese Weise denkt, sieht die Welt in extremen Gegensätzen und hält Grauzonen für viel komplizierter und verwirrender zu verstehen. Diese Denkweise setzt Überzeugungen oft in Extreme und hält entweder an einer Seite fest und lehnt die andere ab, oder wechselt zwischen den beiden.

Im Gegensatz dazu ist eine realistische Denkweise flexibel und offen. Sie erkennt an, dass es in der Regel mehr als eine Art zu denken und zu verstehen gibt und hat das Potenzial, mehrere Perspektiven auf dasselbe Thema zu fokussieren. Realistisches Denken ermöglicht daher einen differenzierten Umgang mit Grauzonen und Doppeldeutigkeiten. Es unterstützt den Umgang mit Herausforderungen auf eine Art und Weise, die der Komplexität des Lebens gerecht wird.

Darüber hinaus ermöglicht es Menschen, sowohl positive als auch negative Aspekte einer Situation anzuerkennen und einen Kompromiss zu finden, anstatt zu Extremen zu tendieren. Es fördert den auf Fakten basierenden und rationalen Ansatz zur Problemlösung und Entscheidungsfindung.

I. Schwarz-weiß Denken kurz erklärt

Schwarz-weiß Denken, auch binäres Denken genannt, ist eine Form der Vereinfachung, die nur zwei mögliche Zustände oder Pole kennt. Alles lässt sich in Gut oder Böse, richtig oder falsch, Freund oder Feind einteilen. Es gibt kein Dazwischen, keine Abstufungen, keine Komplexität. Die Welt wird auf einfache Gegensatzpaare reduziert.

Diese extreme Vereinfachung der Realität geht aber oft mit einem Verlust von Differenzierung und einem Mangel an kritischem Denken einher. Indem viele Grautöne und Zwischenstufen geleugnet werden, ist schwarz-weiß Denken häufig verzerrt und nicht zutreffend. Dennoch ist es verführerisch, da es orientierungsstiftend wirkt und schnelle Urteile ermöglicht.

II. Realistische Sichtweise kurz erklärt

Im Gegensatz zum schwarz-weiß Denken zeichnet sich eine realistische Sichtweise gerade durch die Akzeptanz von Komplexität und Mehrdeutigkeit aus. Anstatt in binären Gegensatzpaaren zu denken, werden die Dinge differenziert betrachtet. Es gibt verschiedene Perspektiven, es gibt Abstufungen, es gibt ein sowohl-als-auch.

Dieser Realismus versucht, der Vielschichtigkeit der Realität gerecht zu werden und integriert unterschiedliche Aspekte. Er hinterfragt vereinfachende Interpretationen und sucht nach Nuancen. Auch Unsicherheit und Widersprüche werden zugelassen. Das führt zwar zu weniger Eindeutigkeit, dafür aber zu einer adäquaten Abbildung dessen, was tatsächlich ist und vor sich geht.

III. Die Unterschiede

Während schwarz-weiß Denken also vereinfacht und verzerrend wirkt, da Differenzierungen geleugnet werden, ist der Realismus bemüht, der Komplexität der Welt gerecht zu werden. Er akzeptiert Mehrdeutigkeiten. Ein Beispiel: Politische Haltungen lassen sich nicht nur in »links« und »rechts« einteilen. Der Realismus sieht, dass es auch moderate Positionen und gemischte Modelle gibt.

Weitere Unterschiede zeigen sich auch im Hinblick auf Urteilsfindung und Selbstkritik. Schwarz-weiß Denken neigt zu vorschnellen Urteilen und lässt kaum Selbstzweifel zu. Realistische Betrachtung hingegen hinterfragt auch die eigenen Standpunkte und integriert kontinuierlich neue Informationen.

IV. Vor- und Nachteile

Die vereinfachende Sicht des schwarz-weiß Denkens hat den Vorteil, dass sie leicht zu handhaben ist und schnelle Entscheidungen ermöglicht. Allerdings ist der Preis dafür Intoleranz, Rigidität und Konflikte. Der Realismus ist zwar aufwendiger, führt aber durch die Berücksichtigung unterschiedlicher Aspekte eher zu ausgewogenen, angemessenen Urteilen und Handlungen.

V. Fazit

Zusammenfassend zeigt sich, dass eine realistische, differenzierte Sicht der Komplexität der Welt mehr gerecht wird als schwarz-weiß Denken. Obwohl die nuancierte Betrachtung mühsamer ist, lohnt sie sich für eine angemessene Einschätzung und gute Entscheidungsfindungen.

Warum ist Schwarz-Weiß Denken im politischen Kontext so gefährlich?

Schwarz-weiß Denken vereinfacht politische Sachverhalte extrem und teilt alles in zwei alles andere ausschließende Pole ein. Alles ist entweder Gut oder Böse bzw. Richtig oder Falsch. Dadurch geht der Blick für die Komplexität politischer Zusammenhänge verloren. Politische Themen sind in der Regel sehr vielschichtig und haben viele Facetten – sie lassen sich nicht binär in Richtig oder Falsch einteilen.

Wenn Politiker oder Medien dennoch so argumentieren, können differenzierte politische Diskussionen nicht gelingen. Es entsteht eine undifferenzierte Freund-Feind-Logik, die zum Beharren auf den eigenen Standpunkten führt. Kompromisse und Abwägungen werden erschwert. Dies kann leicht zur Spaltung der Gesellschaft, bis hin zu Hass und Gewalt führen.

Auch Populismus macht sich schwarz-weiß Denken zunutze, indem komplexe Probleme auf einfache »Wir gegen die« – Botschaften reduziert werden. Vermeintlich eindeutige Feindbilder entstehen, denen man alle Schuld zuschieben kann. So lassen sich Ressentiments schüren und Wähler leichter mobilisieren – ohne differenzierte Lösungen bieten zu müssen.

Schwarz-weiß Denken verhindert also differenzierte Urteilsbildung und erschwert rationale, evidenzbasierte Politik. Stattdessen begünstigt es Populismus, Polarisierung und Feindbilder. Daher ist es für eine demokratische, konsensuelle Gesellschaft hochgradig schädlich.

Hier einige aktuelle Beispiele für die fortschreitende Verbreitung schwarz-weißer Narrative und ihrer Bewegungen im weltweiten Kontext. Eine Ideologiestruktur, die inzwischen zu echten tatsächlichen Entscheidungen führt und rund um den Globus durch die Zuspitzung von gegensätzlichen Polen Hass und Gewalt erzeugt.

 ● In den USA bedient Donald Trump gezielt einen Gegensatz zwischen dem »guten, echten Amerika« und den vermeintlich »bösen« Eliten. Er spaltet die Gesellschaft und schwächt mit seinem undifferenzierten Freund-Feind-Denken die Demokratie. Er propagiert unter anderem ein einfaches Narrativ vom »bösen« Mexiko, das angeblich Gewalt und Drogen exportiere und daher mit einer Grenzmauer ausgesperrt werden müsse.

 ● In Brasilien spaltete Präsident Bolsonaro mit aggressiver Rhetorik gegen Linke, Aktivisten und Minderheiten, die er pauschal als Feinde der »rechtschaffenen brasilianischen Mehrheit« brandmarkte. So erließ er Verbote für angeblich »Gender-ideologische« Aufklärungsprojekte und erschwerte die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen.

 ● In Polen und Ungarn etablierten die nationalkonservativen Regierungen autoritäre Tendenzen, indem sie zwischen der »guten, patriotischen Mehrheit« und »illoyalen« Minderheiten wie der LGBTQ-Community unterschieden. Die Rechte dieser Gruppen wurden eingeschränkt und kritische Medien stärker kontrolliert.

 ● In Österreich bedient die rechtspopulistische FPÖ gezielt Ressentiments gegen Ausländer und Muslime und propagiert ein Freund-Feind-Narrativ zwischen dem »echten österreichischen Volk« und »illoyalen Minderheiten«. Nach dem Motto »Österreicher zuerst« wurden Maßnahmen gegen Zuwanderung ergriffen.

● In Frankreich versucht Marine Le Pen mit ihrer Partei Rassemblement National, einen Gegensatz zwischen dem »Volk« und den »abgehobenen Eliten« zu konstruieren. Sie nutzt nationalistische und fremdenfeindliche Stimmungen, um Wähler zu mobilisieren. Mit undifferenzierter Systemkritik stellt sie sich als einzige Vertreterin des »wahren Frankreichs« dar.

 ● Die Brexit-Kampagne in Großbritannien wurden maßgeblich durch vereinfachende Versprechungen der Brexiteers vorangetrieben. Sie behaupteten, ein Austritt aus der EU würde dem »Willen des Volkes« entsprechen und die Probleme des Landes lösen. Die Kampagne zeichnete ein schwarz-weiß-Bild zwischen britischer Selbstbestimmung und Fremdbestimmung durch die EU. Die Realität steht dem Diametral entgegen.

● In Skandinavien konnten rechtspopulistische Parteien in Ländern wie Schweden und Finnland mit Anti-Migrations-Kampagnen und einem Gegensatz zwischen dem »einheimischen Volk« und »fremden« Migranten punkten. Auch hier zeigt sich die Mobilisierung durch Freund-Feind-Bilder.

● In Italien konnte die postfaschistische Partei Fratelli d’Italia zuletzt große Wahlerfolge erzielen. Parteichefin Giorgia Meloni bedient nationalistische und fremdenfeindliche Stimmungen und stilisiert den Gegensatz zwischen dem italienischen Volk und der vermeintlichen Einwanderungs- und Genderpolitik der »Eliten«. Ihr vereinfachendes Narrativ findet derzeit viel Zuspruch.

 ● In den Niederlanden konnte der Rechtspopulist Geert Wilders mit seiner Freiheitspartei PVV punkten, indem er Stimmung gegen Muslime und Zuwanderer schürte. Er propagierte ein Bild der bedrohten niederländischen Identität durch den Einfluss des Islams.

● In Indien betreibt Premierminister Modi eine zunehmend hindu-nationalistische Politik, die alte Ressentiments gegenüber der muslimischen Minderheit instrumentalisiert. Modi und seine BJP-Partei konstruieren einen Gegensatz zwischen der hinduistischen Mehrheit und der muslimischen Minderheit.

 ● Der türkische Präsident Erdoğan nutzt ebenfalls eine polarisierende Rhetorik, um seine Machtbasis bei konservativen Muslimen zu festigen. Er stilisiert einen Widerspruch zwischen frommen, echten Türken und dem dekadenten Westen bzw. den vermeintlich illoyalen Kurden.

● Auf den Philippinen betreiben Populisten wie Duterte einen rigiden Law-and-Order-Kurs, der vorgibt, die Interessen des einfachen Volkes gegen Kriminelle und Drogenhändler durchzusetzen. Dabei diffamiert Duterte gezielt auch politische Gegner und Journalisten.

Hier sind 13 Beispiele für faktisch nachgewiesene Fälle, bei denen Bewegungen, die schwarz-weiß Narrative in ihren ideologischen Konstrukten verwenden, das Internet, die Medien und die Gesellschaft mithilfe von Computer- und Informationstechniken manipuliert haben:

1. Brexit-Kampagne (2016): Die Pro-Brexit-Kampagne nutzte erfolgreich Social-Media-Algorithmen, um bestimmte demografische Gruppen mit genauen und oft irreführenden Botschaften zu erreichen. Sie nutzten Data-Mining, um Wählerprofile zu erstellen und genau zu bestimmen, welche Botschaften am besten für bestimmte Gruppen geeignet waren. Auch wurden Fehlinformationen, wie das berüchtigte „£350 Millionen pro Woche für die NHS“-Busplakat, genutzt, um die Meinung der öffentlichen Wähler zu beeinflussen. (Quellen: 1 | 2 | 3)

2. Die Trump-Kampagne (2016): Donald Trumps Wahlkampfteam nutzte Microtargeting-Techniken zur gezielten Beeinflussung von Wählern auf Basis ihrer Interessen und Bedenken. Sie verwendeten auch die sozialen Medien, um eine permanente Präsenz aufzubauen und Diskurse zu kontrollieren. Falschinformationen und Verschwörungstheorien wurden verbreitet, um das Image von Trumps Gegnern zu untergraben und seine eigene Popularität zu steigern. (Quellen: 1 | 2 | 3)

3. Cambridge Analytica-Skandal (2018): Mithilfe von Facebook-Daten, die ohne die Zustimmung der Nutzer gesammelt wurden, baute Cambridge Analytica detaillierte psychologische Profile auf und wendete Microtargeting-Techniken an, um gezielte politische Werbung zu verbreiten. Sie arbeiteten für mehrere politische Kampagnen, darunter die von Trump und dem Brexit, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen. (Quellen: 1 | 2 | 3)

4. Bolsonaro-Wahlkampagne in Brasilien (2018): Während des brasilianischen Präsidentschaftswahlkampfes von 2018 nutzte Jair Bolsonaro und sein Team Social-Media-Plattformen, um Desinformation und populistische Botschaften zu verbreiten. Ihre Strategie umfasste die Verwendung von WhatsApp, um Falschinformationen, Verschwörungstheorien und Angriffe auf gegnerische Kandidaten zu verbreiten. Das Ziel dieser Aktionen war es, die öffentliche Meinung auf ihre Seite zu ziehen und die Wahl zu gewinnen, was letztlich gelang. Die Methoden wurden als manipulativ und irreführend kritisiert, aber sie waren effektiv in Bezug auf das politische Ziel von Bolsonaros Team. (Quellen: 1 | 2 | 3)

5. Manipulation der öffentlichen Meinung in Indien durch IT-Cellen (2019): Politische Parteien wie die BJP und die INC setzten IT-Zellen zur strategischen Verbreitung von Fehlinformationen und Propaganda in sozialen Medien ein. Dies wurde genutzt, um politische Gegner zu diskreditieren und die eigene Anhängerschaft zu mobilisieren, hauptsächlich in der Vorbereitung auf die allgemeine Wahl 2019. (Quellen: 1 | 2 | 3)

6. Polnische Justizrechtskrise (2015–2020): Die Regierungspartei PiS nutzte die Medien, um Fehlinformationen zur Unterstützung ihrer umstrittenen Justizreformen zu verbreiten. Sie porträtierten die Reformen als Versuch, das Justizsystem zu »entkommunisieren« und jeden Widerstand als Bemühungen der Opposition, korrupte Praktiken zu schützen. (Quellen: 1 | 2 | 3)

7. Manipulation in philippinischen Wahlen (2016): Rodrigo Duterte nutzte Social-Media-Kanäle und bezahlte »Trolle«, die Inhalte mit Pro-Duterte-Kommentaren überschwemmten und Anti-Duterte-Stimmungen unterdrückten. Diese Praxis wurde verwendet, um eine Fehleinschätzung der öffentlichen Unterstützung für Duterte zu erzeugen. (Quellen: 1 | 2 | 3)

8. Italienische Fünf-Sterne-Bewegung (2013): Sie nutzten Rousseau, ein Online-Votingsystem, um Parteifragen zu entscheiden, was als Möglichkeit zur Erleichterung der direkten Demokratie angepriesen wurde. Kritiker argwöhnten jedoch, dass die Plattform genutzt wurde, um populistische Maßnahmen voranzutreiben und Mitglieder durch manipulative Techniken zur Unterstützung bestimmter Maßnahmen zu bringen. (Quellen: 1 | 2 | 3)

9. Ungarische Anti-Flüchtlings-Kampagne (2015): Viktor Orbáns Regierung nutzte Social-Media-Kanäle und staatlich kontrollierte Medien, um fremdenfeindliche Stimmungen und anti-EU-Propaganda zu verbreiten. Ziel war es, Wähler mittels Angst vor Migranten und muslimischem Einfluss zu beeinflussen. (Quellen: 1 | 2 | 3)

10. Alternative für Deutschland (AfD) und Social Media Manipulation: Die AfD nutzte primär Social Media, um zu polarisieren und das gesellschaftliche Klima in Deutschland zu verändern und den Diskurs zu verschieben. Sie verbreiteten oft Falschinformationen und hoch polarisierende Inhalte über Themen wie Zuwanderung und Islam. Nur ein Beispiel unter vielen: AfD-Politiker Norbert Kleinwächter hetzte mit unechten KI-Bildern gegen Geflüchtete. Die Täuschung zeigt aber auch die ungeschminkte Realität des Rassismus. (Quellen: 1 | 2 | 3)

11. Manipulation auf Twitter durch »Mazedonische Fake News Factories« (2016): Gruppen von Jugendlichen in Mazedonien erstellten und verbreiteten über soziale Medien gefälschte Nachrichten über die US-Wahlen, um Online-Werbeeinnahmen zu generieren. Ihre Inhalte waren meist Pro-Trump und Anti-Hillary, was angeblich zum überraschenden Sieg von Trump beigetragen haben soll. (Quellen: 1 | 2 | 3)

12. Skandal um die Internet-Research Agency in Russland (2013–2015): Diese Trollfabrik wurde von der russischen Regierung unterstützt und hatte zum Ziel, die öffentliche Meinung durch die Verbreitung von Fehlinformationen, dem Schüren von Konflikten und die Förderung von Spaltungen zu beeinflussen. Sie erstellten gefälschte Social-Media-Konten, um als Amerikaner zu agieren und mischten sich in zahlreiche politische Debatten ein. Die produzierten Nachrichten waren vorwiegend an politisch weit links stehende Leser gerichtet und hatten das Ziel, die Anhänger von der Wahl Joe Bidens abzuhalten, indem sie ihm »rechten Populismus« unterstellten. (Quellen: 1 | 2 | 3)

13. Gezielte Desinformation vor den taiwanischen Wahlen (2020): Chinesische Troll-Fabriken wurden beschuldigt, in großem Umfang Desinformationen und Propaganda zu verbreiten, um das Wahlergebnis in Taiwan zu beeinflussen. Es wurde vielfach vermutet, dass die Kampagne darauf abzielte, die pro-unabhängige Präsidentin Tsai Ing-wen zu untergraben und pro-chinesische Kandidaten zu unterstützen. (Quellen: 1 | 2 | 3)

Beispiele für schlechte politische Entscheidungen, bei denen ein schwarz-weiß Schema zur Durchsetzung eine Rolle spielte

Die folgenden Beispiele für politische Entscheidungen der letzten 20 Jahre weisen eine gemeinsame Charakteristik auf: bei allen spielte ein schwarz-weiß Schema eine wesentliche Rolle. Ein solches Denkmuster neigt dazu, die politische Realität zu vereinfachen und komplexe Probleme auf zwei gegensätzliche Standpunkte zu reduzieren. Anstatt die vielen Graustufen und vielschichtigen Aspekte von politischen Fragen zu erkunden, wird die Situation oft auf ein Entweder-oder-Szenario reduziert.

Dieser Ansatz hat zwar den Vorteil, dass er die Komplexität politischer Entscheidungen reduziert und sie für die Öffentlichkeit leichter verständlich macht. Gleichzeitig birgt er jedoch die Gefahr, dass wichtige Aspekte und nuancierte Standpunkte übersehen werden. Es besteht das Risiko, dass dadurch Entscheidungen getroffen werden, die nur einseitig sind und möglicherweise den langfristigen Konsequenzen oder den Bedürfnissen verschiedener Gruppen nicht gerecht werden.

Einige Beispiele:
● Der Krieg der USA im Irak (2003): Bezeichnet als »Gut gegen Böse« ohne Berücksichtigung der komplexen geopolitischen Situation.
Brexit Referendum (2016): Diskussion wurde oft auf »In oder Out« reduziert, ohne detaillierte Auseinandersetzung mit den Konsequenzen.
Griechische Finanzkrise (2010): Griechenland wurde strengen Sparmaßnahmen unterzogen, die Armut und Arbeitslosigkeit verschärften, anstatt Alternativen zu suchen. Die Konstruktion der »Faulen Griechen« verschärfte eine »Wir gegen Die«- Situation in den Geberländern.
● Ungesicherte Grenzen in der EU während der Flüchtlingskrise (2015): Ein komplexes Problem wurde oft auf »Pro oder Kontra Migration« reduziert.
Ablehnung des Kyoto-Protokolls durch die USA (2001): Ein komplexes Umweltthema wurde auf »Wirtschaft vs. Umwelt« reduziert.
● Die Einführung von Hartz IV in Deutschland (2005): Eine komplexe wirtschafts- und sozialpolitische Maßnahme wurde umgesetzt, ohne auf Bedenken hinsichtlich sozialer Ungleichheit einzugehen. Schwarz-weiß Narrative, die bei der Durchsetzung eine Rolle spielten:

  1. Arbeitsunwillige vs. Fleißige Arbeitnehmer
  2. Soziale Gerechtigkeit vs. Wirtschaftlicher Wachstum
  3. Bürokratieabbau vs. Sozialstaat
  4. Eigenverantwortung vs. staatliche Fürsorge

● Die Ablehnung des Pariser Klimaabkommens durch die USA (2017): Ein komplexes internationales Abkommen wurde auf »nationales Interesse vs. globale Verpflichtungen« reduziert.
● Die Errichtung der Mauer an der Grenze zu Mexiko durch die USA (2016): Ein komplexes Einwanderungsproblem wurde auf »Kriminelle im Inland vs. Mauer an der Grenze« reduziert.
● Die Demonetisierung in Indien (2016 – 500- und 1000 Rupienscheine nicht mehr als Zahlungsmittel gültig): Ein Versuch, Korruption zu bekämpfen, bei dem schwarz-weiß Narrative zur Durchsetzung missbraucht wurden, ohne Berücksichtigung möglicher negativer Auswirkungen.
● Die Entscheidung, verschiedene Handelsabkommen durch die USA zu verlassen oder neu zu verhandeln (z.B. TPP, NAFTA).
● Die Entscheidung von Australien, eine harte Linie gegen Bootsflüchtlinge zu fahren (2013).
● Die Einführung der »Null-Toleranz« Einwanderungspolitik in den USA (2018).
● Die Entscheidung Russlands, die Krim zu annektieren (2014), welche auf »Pro-Russland oder Pro-Ukraine« reduziert wurde.
● Die Entscheidung Chinas, sowohl interne als auch ausländische Kritik an den Uiguren-Lagern zu ignorieren (2014-heute) Chinas verwendet verschiedene Narrative, um die Einschränkung von Menschenrechten zu rechtfertigen. (Bekämpfung des Terrorismus, Förderung der sozialen Stabilität, Schutz der nationalen Sicherheit …)
● Der Austritt aus dem UN-Menschenrechtsrat durch die USA (2018) als »nützlich vs. nicht nützlich«.
● Die Entscheidung Frankreichs, das Tragen von religiösen Symbolen in Schulen zu verbieten, welche auf »Laizität vs. Religion« reduziert wurde (2004).

Ein Kennzeichen des Nationalismus ist die Höherwertigkeit der eigenen Nation, die als gut und überlegen angesehen wird. Andere Nationen und Völker werden demgegenüber abgewertet und als minderwertig betrachtet. Hier zeigt sich bereits die typische schwarz-weiß Einteilung in Freund und Feind.

Dazu kommt die Vorstellung, dass die Interessen der eigenen Nation immer absolut im Vordergrund stehen und mit allen Mitteln durchgesetzt werden müssen. Dies fördert eine undifferenzierte Freund-Feind-Denkweise auch gerade in internationalen Beziehungen. Die Komplexität der globalen Verflechtungen von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft wird weitgehend ignoriert.

In Wirklichkeit sind die nationalen Identitäten heute aber vielfältiger und durchlässiger geworden. Moderne Gesellschaften sind multikulturell geprägt, internationale Kooperation ist für den Wohlstand, Klimaschutz und Frieden unerlässlich. Die globalen Herausforderungen wie Pandemien oder der Klimawandel zeigen, dass ein Denken in nationalen Kategorien veraltet ist.

Nationalismus spaltet die Gesellschaften und erschwert rationale politische Entscheidungen. Die Probleme der Gegenwart lassen sich nur gemeinsam über Ländergrenzen hinweg lösen. Daher ist Nationalismus ein Anachronismus, der der Komplexität der heutigen Welt nicht mehr gerecht wird. Für Frieden und Wohlstand braucht es ein realistisches, differenziertes Denken jenseits nationaler Engstirnigkeit.

Rassismus ist eine Denkweise und Einstellung, die bestimmte Gruppen von Menschen ablehnend, diskriminierend und feindselig behandelt. Kernmerkmal dieser Sichtweise ist, dass über eine Gruppe verallgemeinernde, stereotype Annahmen aufgestellt werden. Die individuellen Unterschiede zwischen den Mitgliedern der Gruppe werden dabei ignoriert. Stattdessen wird die Gruppe fälschlicherweise als völlig homogen und undifferenziert wahrgenommen. Eigenschaften einzelner Mitglieder der Gruppe werden zum Teil absichtlich allen zugeschrieben.

Kern des Rassismus ist die Einteilung von Menschen in vermeintliche »Rassen« und die Abwertung von Personen aufgrund äußerlicher Merkmale wie Hautfarbe oder der Religionszugehörigkeit. Menschen werden dabei stereotyp in »gute, überlegene« und »schlechte, minderwertige« Rassen eingeteilt. Oftmals wird mit einem schwarz-weiß Narrativ (gut vs. böse) ein Kampf zwischen Kulturen stilisiert. Dies führt zu einer undifferenzierten schwarz-weiß Kategorisierung, die die tatsächliche Vielfalt innerhalb der Gruppen ignoriert.

Rassisten beurteilen Menschen nur aufgrund willkürlich definierter äußerer Merkmale, ohne die individuellen Eigenschaften, Fähigkeiten und Lebensumstände zu berücksichtigen. Dadurch entstehen negative Vorurteile, die vielfach in Menschenfeindlichkeit resultieren.

Die moderne Gesellschaft ist aber durch die Globalisierung und Migration sehr vielfältig geworden. Es gibt keine homogenen Rassen oder Kulturen. »Wir« und »die Anderen« sind ausdifferenziert und durchmischt. Diese komplexen, fließenden Übergänge und die Individualität jedes einzelnen Menschen bleiben im rassistischen Denken unsichtbar.

Rassismus spaltet die Gesellschaft, schränkt die Entwicklungschancen von Minderheiten ein und fördert Hass. Um im 21. Jahrhundert friedlich zusammenzuleben, müssen die Menschen differenziert als Individuen betrachtet werden – nicht als Mitglieder vermeintlicher »Rassen« und Gruppen. Rassismus ist daher ein fataler Anachronismus im Widerspruch zur Zeit.

Es gibt verschiedene Gründe, warum schwarz-weiß Denken global auf dem Vormarsch ist. Algorithmusgesteuerte soziale Medien spielen dabei eine bedeutende Rolle:

 ● Die Algorithmen von Social-Media-Plattformen wie Facebook oder Twitter analysieren unser Verhalten und erstellen Profile nach unseren Interessen und Meinungen. Entsprechend dieser Profile filtern sie Inhalte, die uns angezeigt werden. So entstehen »Filterblasen«, in denen wir nur noch Beiträge sehen, die unserer bereits bestehenden Sichtweise entsprechen und bestätigen. Andere Perspektiven werden ausgeblendet. Dies verstärkt schwarz-weiß Denken. (z.B. »in der Blase ist alles gut, außerhalb alles schlecht«).
 ● Die Algorithmen sind zudem so programmiert, dass sie vor allem Inhalte pushen, die starke Emotionen und Interaktionen erzeugen. Extreme Positionen, Empörung und Polemik erzeugen mehr Likes, Shares und Kommentare als sachliche Differenzierung. Dadurch werden polarisierende und vereinfachende Narrative systematisch bevorzugt und weiter verbreitet.
 ● Auf Social Media ist eine echte inhaltliche Diskussion komplexer Themen aufgrund der Kürze der Beiträge meist nicht möglich. Statt fundierter Argumentation setzen sich daher oft schlagwortartige Parolen und simplifizierte Framings durch, die leicht geteilt werden können. Differenzierte Sichtweisen haben es wesentlich schwerer.
 ● Gezielte Desinformationskampagnen machen sich diese Mechanismen zunutze. Sie setzen auf authentisch wirkende Fake-Accounts, Bots und Trolle, um schwarz-weiß Narrative wie »Wir gegen die« oder Hass gegen Minderheiten zu pushen. Durch stetige Wiederholung dieser Inhalte gelingt es, Spaltung voranzutreiben.
 ● Influencer, Populisten und andere Akteure nutzen ebenfalls bewusst die Mechanismen von Social Media aus, um Anhänger zu mobilisieren. Sie bedienen binäres Freund-Feind-Denken, da dies Follower aktiviert. Differenzierte Inhalte sind dagegen online weniger wirksam für Reichweite und Klicks.

Durch diese Faktoren fördert die Funktionslogik von Social Media eine Verbreitung simplifizierender schwarz-weiß Narrative. Gleichzeitig sinkt insgesamt die Bereitschaft, Inhalte und Argumente wirklich kritisch zu hinterfragen und somit sinkt durch die Digitalisierung die Aufmerksamkeitsspanne insgesamt. Die Fähigkeit sich länger mit komplexen Inhalten zu beschäftigen nimmt im erschreckenden Ausmaß ab. Dieser Cocktail ermöglicht es schwarz-weiß Denken, weltweit an Einfluss zu gewinnen.

theoretisch

Im Prinzip laufen digitalisierte Prozesse bisher immer auf eine sehr einfache Entscheidung hinaus, die Entscheidung zwischen richtig und falsch, zwischen JA oder NEIN, zwischen 1 und 0. Eine begrenzte Komplexität erreichen diese Prozesse erst mit einer erheblichen Vervielfachung dieses Entscheidungsprozesses in derselben Funktion. Unser Gehirn, als »möglicherweise das komplexeste Gebilde des Universums« lacht über die Komplexität in den Algorithmen trotz »Moore’schem Gesetz« noch sehr lange herzlich.

Ihren Anfang nimmt die binäre Struktur in der Funktionslogik informationstechnischer Systeme. Sie zeigt sich aber für uns alle in der real existierenden digitalen Realität. So können wir liken, aber nicht sowohl-als-auch senden. Bekommen wir in unserer Timeline eine bestimmte Nachricht zu sehen, ist die Frage »ähnliches gelesen« gefolgt von »Interaktion?!« bereits binär beantwortet. Entscheidungen, die wir fällen sollen oder die für uns gefällt werden, sind in digitalen Sphären überproportional häufig auf simple JA’s und NEIN’s reduziert.

Unser Gehirn ist ein selbstlernendes System und kann auf unvorhersehbare Ereignisse adäquat reagieren. Software-Algorithmen müssen dagegen Entscheidungsmöglichkeiten weitestgehend vordefinieren. Die 1.000 Milliarden Nervenzellen können nicht ohne Weiteres durch ein analytisches mathematisches Modell beschrieben werden. Somit besteht zwischen unserem Gehirn und informationstechnischen Systemen ein nicht bzw. nur aufwendig zu lösender Konflikt.

Mit fortschreitender Digitalisierung werden digitale Prozesse vielfältig verschachtelt und Entscheidungen werden durch viele JA’s und NEIN’s gefällt. Laut der Komplexitätstheorie wird jedoch die Komplexität von Algorithmen in deren Ressourcenverbrauch gemessen. Ressourcen sind z. B. Rechenzeit oder Speicherplatz und letztlich Kosten im System.

Nach der Komplexitätstheorie wird die Komplexität eines Problems durch die Komplexität desjenigen Algorithmus gelöst, der den geringstmöglichen Ressourcenverbrauch aufweist. Natürlich weist der Algorithmus mit der geringsten Komplexität den geringstmöglichen Ressourcenverbrauch auf. Die Konstruktion unserer auf Gewinnmaximierung beruhenden Welt sorgt hier für ein »funktionssimplifizierendes Paradoxon«. Durch den Zwang, Kosten zu sparen, wird funktionelle Vielfalt (=Komplexität), so weit nur irgend möglich vereinfacht. Gewinnmaximierung bedeutet in diesem Fall nichts anderes als Komplexitätsverringerung.

Bei der Abbildung der Realität in digitalen Prozessen sollte es das Ziel sein, analoge Prozesse so vielfältig wie möglich digital darzustellen. Tatsächlich wird nur die funktionelle Vielfalt umgesetzt, die gerade so notwendig ist, um gewinnmaximierend erfolgreich zu sein. Durch das Ausnutzen einfacher Instinkte und menschlicher Gewohnheiten ist dies nicht sonderlich schwer.

Der Algorithmus von Facebook hat aktuell nur die intellektuelle Tiefe, die notwendig ist, um den Benutzern den Inhalt vorzusetzen, mit dem der Nutzer wahrscheinlich interagieren wird. Es gibt keinen winzigen Funken Komplexität über diesen ureigen monetären Zweck hinaus. Ein wichtiger Teil dieses Algorithmus ist in Abhängigkeit von Wahrscheinlichkeiten eben die Frage: »Interaktion: JA oder NEIN« gefolgt von dem Inhalt, der diese Frage mit »JA« beantwortet.

Der Algorithmus sorgt genau deshalb dafür, dass von ihm berechnete Individuen einseitig nur das zu sehen bekommen, was im gleichen Spektrum ihrer Vorlieben ist. Weil damit eben sehr viel wahrscheinlicher interagiert wird, sehen wir nur Beiträge der von uns gewählten Farbe, Schwarz oder Weiß. Im Ergebnis werden Menschen in getrennten Echokammern separiert, die eigne Meinung spiegeln und andere ausblenden. Binärer Code sorgt für binäre Entscheidung, wenn binärer Inhalt in binären Blasen aufsteigt, um auf unsere Gehirne zu wirken. Was passiert in der Folge mit diesen?

Kevin Dutton schreibt in seinem Buch »Schwarz.Weiß.Denken!«, dass unsere Gehirne aus prähistorischer Sicht schwarz-weiß geprägt sind und wir es lieben, Dinge in klare Kategorien einzuteilen. Laut Dualismus-Theorie ist unser Gehirn ein Denk- und Ordnungssystem, welches definierte Dualismen in Gruppen von Gegensatzpaaren einteilt. Unsere Gehirne sind aber durchaus so komplex, um uns über genetische Festlegungen zu stellen und sehr sicher sind wir intellektuell der Lage, auch vielschichtig Dinge zu betrachten. Mindestens, wenn wir uns Mühe geben.

Jede Nachricht, die uns erreicht, führt zwangsläufig zu der gedanklichen Entscheidung, wie wir zu den entsprechenden Informationen stehen. Eine Entscheidung, die wir in Bruchteilen von Sekunden abwägen. Dieser Vorgang wird durch Inhalte schwarz-weißer Prägung wesentlich vereinfacht und damit die Entscheidung, ob wir überhaupt mit diesem Inhalt interagieren, beschleunigt. In der Folge wird genau hier überproportional oft interagiert und diese Interaktionen bedeuten wiederum mehr Aufmerksamkeit für diese Art der Inhalte. Im Ergebnis wird uns ein relativ neuer, inzwischen zentraler Teil unseres Lebens, permanent in höchster Frequenz zu schwarz-weißen Entscheidungen zwingen und dadurch werden wir zwangsläufig weniger Grautöne erkennen. Es ist nicht einfach, sich dieses Phänomens bewusst zu sein, denn der Übergang von Vielschichtigkeit zu schwarz-weißem Stereotyp fließt im Gleichklang der Post in unseren Timelines.

Die parallel existierende digitale Welt ist geprägt von Vereinfachung und zwingt uns allen Vereinfachung auf. Sicher macht es etwas mit uns, wenn wir ein »Like« setzen und damit volle Zustimmung signalisieren, obwohl wir vielleicht nur den größeren Teil befürworten. Und noch viel sicherer manipulieren die Algorithmen der Netzwerke gepaart mit binär konstruierten Inhalten Gedanken millionenfach.

Wer diesen Zusammenhang kennt und notwendige Ressourcen hat, kann dies vergleichsweise einfach für seine Zwecke nutzen. Es ist, als ob Social Media schwarz-weißen Mythen und Erzählungen durch die binäre Verfasstheit informationstechnischer Systeme permanent Rosen auf den Weg streut. Wie sich auch dadurch Gesellschaften verändern, sehen wir aktuell weltweit und offensichtlich werden überall fleißig die Gedanken binär geformt. Es gibt genügend Beweise für scheinbar entkoppelte Ereignisse. Das Phänomen als Gesamtes bleibt lediglich in der Theorie eine »schwarz-weiß Verschwörung«.

»An der Demarkationslinie schwarz-weißer Einstellungsmuster und dem Grad ihrer Verbreitung, misst sich das Ausmaß der Spaltung der Gesellschaft.«

Tom Scharlock 08/2023